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Hautanhangsgebilde

Haar und Haarfollikel

Das Haar steckt in einer Einstülpung der Epidermis (Oberhaut), dem Haarfollikel. Sie sind bereits vor der Geburt angelegt. Nach der Geburt entstehen keine neuen Haarfollikel mehr. Die Gesamtzahl der Haare wird auf durchschnittlich ca. fünf Millionen geschätzt. Davon sind etwa 100.000 Kopfhaare. Die Haardichte beträgt 40-800 / cm².

Die fetalen Lanugohaare werden nach der Geburt durch pigmentarme und marklose Vellushaare ersetzt. Im Bereich des Kopfes, der Augenbrauen und Wimpern befinden sich die Terminalhaare. Sie sind dicker und markhaltig. In der Pubertät werden hormonabhängig auch die Vellushaare in der Achselhöhle und in der Genitalregion in Terminalhaare umgewandelt. Bei Männern kommen noch die Gesichtshaare (Bart) und teilweise auch die Körperbehaarung dazu. Im Alter kann es dann, ebenfalls hormonabhängig, besonders im Kopfbereich durch eine Verkleinerung der Haarfollikel zur Umwandlung in Vellushaar kommen.

Aus der Haarmatrix entsteht durch Verhornung der sich etwa dreimal am Tag teilenden Zellen das Haar. Eingelagerte Melanozyten geben Pigment an das Haar ab. Das Ergrauen wird durch einen sekundären Melaninschwund verursacht.

Das Haarwachstum unterliegt genetischen Faktoren (Haarfarbe, ethnische, familiäre Behaarungsmuster) und hormonellen Einflüssen (Androgene).

Der Haarfollikel besteht aus

  • einer Haarwurzel (Einstülpung der Haut)
  • einem Haarschaft (äußerlich sichtbares Haar): hat drei Schichten: Haarschaft, Rinde und Kutikulaschutzschicht und besteht aus zystinreichem Haarkeratin.
  • Haarbulbus (tiefste Stelle der Einstülpung): hier befinden sich die Melanozyten, die durch Menge und Art der produzierten Melaninpigmente dem Haar seine Farbe geben.
  • Ein gerader Follikelkanal formt gerade Haare, ein gewundener Follikelkanal formt lockiges Haar.
  • Am äußeren Rand setzt der aus glatter Muskulatur bestehende kleine Haaraufrichtemuskel (Musculus arrector pili) an. Er richtet das Haar bei Kälte oder psychischen Einflüssen wie Erregung und Wut auf (Gänsehaut).
  • Papille: gefäßreiches Bindegewebe, in das die Haarwurzel eingebettet ist und die Blutversorgung gewährleiste

In den Haarfollikel münden Talgdrüsen ein. Ihr Sekret fettet Haar- und Hautoberfläche.

Der Haarzyklus gliedert sich in drei Phasen:

  • Wachstumsphase (Anagenphase): In dieser Phase befinden sich 80-90 Prozent der Follikel. Sie hält meist mehrere Jahre an. Die Wachstumsgeschwindigkeit beträgt etwa 0,34 Millimeter pro Tag.
  • Umwandlungsphase (Katagenphase):  dauert etwa zwei Wochen
  • Ruhephase (Telogenphase): dauert regional unterschiedlich 3-8 Monate. Das Haar löst sich aus dem Follikel und fällt aus. Gleichzeitig beginnt eine neue Anagenphase.

Nägel

Der Nagel besteht aus

  • Nagelmatrix
  • Nagelplatte
  • umgebender Haut (Nagelfalz, Nagelbett)

Die Haut ist taschenartig eingestülpt. Die Hornschicht der Oberhaut bildet hier die Nagelplatte und besteht aus hartem Nagelkeratin. Die Nagelplatte schiebt sich auf dem Nagelbett mit einer Geschwindigkeit von ungefähr einem Millimeter pro Tag vor.

Die Nagelplatte wird von der Nagelmatrix gebildet und wächst aus der Nageltasche heraus. Die Nagelmatrix scheint als halbmondförmige helle Zone (Lunula) unterhalb der Nagelplatte hervor. Das Nagelbett ist mit der Unterseite der Nagelplatte fest verhaftet. Das Nagelhäutchen verbindet Nagelfalz und Nagelplatte.

Talgdrüsen

Talgdrüsen kommen auf der gesamten äußeren Haut vor. Besonders aktiv und groß sind sie im Gesicht und am oberen Brustkorb. Sie münden in den Haarfollikel. Der Talg, den sie als Sekret (holokrine Sekretion) abgeben, ist ein Gemisch aus Fetten, Triglyzeriden, Wachsestern und Squalen (ungesättigte organische Verbindung).

Der Talg dient der Einfettung der Haut und der Haare:

  • verminderte Talgproduktion (Sebostase): Haare und Haut trocknen aus
  • vermehrte Talgproduktion (Seborrhö): Haut und Haare heben ein fettiges Aussehen

Apokrine Drüsen

Apokrine Drüsen münden in Haarfollikel bestimmter Hautregionen (axillar, genitoanal, die Mamille umgebend, um den Nabel herum und im Gehörgang). Die Drüsen sind knäuelartig geformt und sitzen in der tiefen Dermis (Lederhaut). Sie geben hormonell abhängig ein fettiges Sekret in den Haarfollikel ab. Das Sekret an sich ist geruchlos, der typische Schweißgeruch entsteht erst durch bakterielle Zersetzung in der Hautoberfläche.

Ekkrine Schweißdrüsen

Ekkrine Schweißdrüsen kommen wie die Talgdrüsen auf der gesamten Hautoberfläche vor. Sie haben allerdings keine Beziehung zum Haarfollikel. Besonders zahlreich sind sie an den Handflächen und Fußsohlen. Die stark geknäuelten Endstücke liegen in der tiefen Dermis.

Ekkrine Schweißdrüsen sezernieren den Schweiß (wässrige Natriumchloridlösung). Das saure Sekret (pH-Wert 4,5) bildet den Säureschutzmantel der Haut und hemmt deren Bakterienwachstum. Die Drüsen sind zuständig für die Thermoregulation, können aber auch durch emotionale Reize aktiviert werden.

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